Eine Nacht. 239
kühner Huſarenoberſt, der Referendar als Oberauditeur und ich ſelbſt als Feldprediger und Verfaſſer von Pro⸗ clamationen mitwirken müſſe.
Um drei Uhr endlich trieb der Referendar zum Schlafengehen. Der gaſtliche Wirth wollte es anfangs nicht zugeben, daß wir ſchon auseinander gingen. Es iſt doch verdammt einerlei, ſagte er, ob wir eine Stunde länger trinken, oder eine Stunde früher einſchlafen.
Bedenke, Freund, verſetzte der Andere, daß es ab⸗ ſolut keine moraliſch gleichgültige Handlung giebt; daß wir alſo jetzt, wenn wir nach ſittlichen Grundſätzen leben wollen, entweder ſchlafen gehen oder forttrinken müſſen; nur eine dieſer beiden Möglichkeiten kann mora⸗ liſch, die andere muß unmoraliſch ſein. Es iſt nun für mich ſchlechthin moraliſche Nothwendigkeit, zu Bett zu gehen, und damit gute Nacht! Er nahm mit dieſen Worten ſeinen Fichte und ging hinaus.
Auch ich fühlte, wenn nicht ein moraliſches, doch phyſiſches Bedürfniß der Ruhe. Der Baron ſchellte und befahl dem langen Diener, mich zu Bett zu führen. Nachdem wir uns gegenſeitig eine gute Nacht gewünſcht, folgte ich dem vorleuchtenden Giganten durch einige labhrinthiſche Gänge und Galerieen und gelangte endlich in ein geräumiges Schlafzimmer, in deſſen Kamin eine helle Flamme kniſterte. Der Diener ſtellte das Licht auf den Tiſch und ging ſtumm von dannen.
Als der letzte ſeiner Schritte verhallt war, über⸗ lief mich ein angenehmer Schauer; ich fühlte mich in einer höchſt romantiſchen Situation: in einem alten Ritterſchloſſe gefährlich bedroht, dann gaſtlich bewirthet, in eine dunkle Verſchwörung halb und halb mit einge⸗ weiht— jetzt in einer abgelegenen, wunderlichen Kammer, deren Decke mit Wolken, Engeln, Drachen und anderen Fabelthieren bemalt war, vor einem ungeheuren Himmel⸗ bett— mit rothen Vorhängen, in welchem vielleicht ganze Generationen von Rittern und Edelfrauen geruht hat⸗ ten— das ganze Bild ſchauerlich beleuchtet von der


