Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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236 Ernſt Andolt.

Mit Heroismus beſtand ich ſeinen herculiſchen Händedruck und erklärte dann: nunmehr, da er ſeine Drohungen zurückgenommen, wolle ich ihm offen erklä⸗ ren, daß ich in jeder Hinſicht mit ſeinen patriotiſchen Geſinnungen ſympathiſirte, adaß ich zwar weder dem Tugendbunde, noch ſonſtigen geheimen Verbindungen angehörte, aber ein durch und durch deutſches Herz hätte und das an dieſem Abend Erlebte ſo lange darin verſiegelt halten würde, bis Deutſchland von dem frem⸗ den Joche befreit ſein werde. Nach dieſer mit über⸗ fließender Beredtſamkeit gegebenen Erklärung wollte ich mich empfehlen mit der Bitte, mir einen Boten nach dem Gute des Herrn von Stawitz mitzugeben.

Aber mein Schickſal hatte es anders beſchloſſen.

Der Baron erklärte, ich müſſe für die Nacht ſein Gaſt bleiben und einige Flaſchen Wein mit ihm leeren.

Mit dieſen Worten, keinen Widerſpruch geſtattend, führte er mich und den Referendar in das Nebenzim⸗ mer, wo eine Tafel für drei Perſonen gedeckt ſtand.

Als wir uns zu Tiſch ſetzten, ſchlug eine ehrwürdige Wanduhr, welche in Geſtalt einer Capelle auf dem Spiegeltiſch ſtand, in krächzenden Schlägen eilf Uhr.

Der Bediente ſervirte einen ſtattlichen Wildbraten; einige Flaſchen erleſenen Rheinweins wurden entkorkt und ergoſſen ihren duftigen Lebensbalſam in drei hohe grüne Gläſer mit vergoldeten Rändern.

Das Convivium war anfangs ſchweigſam wie ein Leichenſchmaus: Jeder hatte viel zu denken.

Der arme Hauptmann! ſagte endlich der Baron, wenn er nur keine gar zu compromittirenden Papiere bei ſich trägt!

Und wenn die Briefe, welche er dir bringt, nur nicht an dich adreſſirt ſind! fügte der Referendar hinzu.— Wahrhaftig, ſagte Jener, ich muß mich reiſe⸗ fertig halten; ich werde Alles zur Flucht nach Oeſter⸗ reich oder Rußland in Stand ſetzen,— ſonſt könnte ich