Eine Nacht. 237
leicht das Schickſal Kroſigk's haben und eines ſchönen Morgens aufgehoben werden!
Beſſer bewahrt, als beklagt; indeß müſſen wir ſo lange als möglich hier aushalten; denn hier können wir der guten Sache am meiſten nützen. Ich hoffe noch immer auf eine Berliner Kriegserklärung, und dann muß ſich die ganze Gegend wie Ein Mann erhe⸗ ben. Der Geiſt unſrer Bauern iſt vortrefflich.
Aber Sie trinken nicht, Herr Candidat! Meine Freunde, fuhr er fort, das Glas erhebend, es lebe unſer König Friedrich Wilhelm.
Wir ſtanden auf und ſtießen an. 3
Der Wein verbannte ſchnell die Sorgen; die Unter⸗ haltung nahm eine heitere Wendung; der Referendar erzählte ſeine Jenenſer Studienjahre und ſprach mit Begeiſterung von den Vorleſungen Fichte's Der Baron proteſtirte dagegen und erklärte, nie ein ſo langweiliges, abgeſchmacktes und verderbliches Buch geleſen zu haben, als Fichte's Moral. Ein ſo hölzernes Klapperwerk von moraliſchen Sätzen, ſagte er, ein ſo lebloſer, ſchwer⸗ fälliger Mechanismus iſt mir nie vorgekommen; dieſer
Fichte will uns für unſer Gefühl von Recht und Un⸗
recht, für den warmen Herzſchlag unſers Gewiſſens eine Art moraliſches Exercierreglement in die Bruſt ſetzen, welches uns jederzeit anzeigen ſoll, was wir zu thun oder zu laſſen haben.
Das bloße Gefühl leitet uns oft irre, verſetzte der Referendar; man muß nicht nach Gefühlen, ſondern nach Grundſätzen handeln. Die Grundſätze müſſen aber auf philoſophiſcher Grundlage baſirt ſein, dieſe wiederum —— und ſo hielt er uns eine lange Vorlefung mit eine ruften, pedantiſchen Miene, mit ſo vielen an den rn abgezählten Diviſionen und Subdiviſionen, daß wir Anderen zuletzt in ein unwiderſtehliches Lachen ausbrachen. Der Referendar ſtutzte, ſah uns eine Weile ſtarr an, ſtand auf und ging ſchweigend hinaus.


