Eine Nacht. 235
ließen und alsbald der reckenhafte Bediente eintrat mit der lakoniſchen Meldung: Der HerrReferendarius ſind da.
Der Baron beſann ſich eine Weile und ſagte dann: Er kann hereinkommen.
Mir wurde leichter ums Herz; ein Juriſt, ein Diener der Themis— gab es einen ſtärkern Schutz gegen die mörderiſchen Gelüſte meines Wirthes2
Der Referendarius— außer Dienſt, wie ich nach⸗ her erfuhr, indem er nach dem Frieden von Tilſit we⸗ gen Mangel an Beſchäftigung entlaſſen und zu ſtolz war, in weſtphäliſche Dienſte zu treten,— erſchien in der Geſtalt eines langen, blaſſen, ſchwarzgekleideten Mannes mit hohen Vatermördern und einer hörnernen Brille. Er begrüßte uns ſchweigend.
Bruder! ſagte der Freiherr, ihm die Hand drückend, hier iſt ein kritiſcher Fall. Der Erwartete iſt nicht gekommen, ſtatt deſſen dieſer Herr. Dabei ſtellte er mich dem Referendarius vor, welcher mir eine ſteife Ver⸗ beugung machte, erzählte ihm die ganze Sachlage, ſogar ſeinen verzweifelten Entſchluß in Betreff meiner und forderte ſeinen Rath.
Das iſt ja die einfachſte Sache von der Welt, ſagte Jener, und da hätteſt du beinahe ein homicidium be⸗ gangen; welche Uebereilung! Wir werden ſogleich wiſſen, wie wir daran ſind. Eventuell können wir ja den Herrn Candidaten durch mildere Maßregeln unſchädlich machen. Aber ich hoffe, er iſt ein Mann von Ehre und Vater⸗ landsliebe, was ich gleich ermitteln werde.
Damit ging er ſeierlich auf mich zu, legte ſeine Hände auf mein Haupt und befühlte es von allen Seiten. Seine Miene wurde bei dieſer komiſchen Unterſuchung immer freundlicher, und er erklärte am Ende derſelben: Wir können ganz ruhig ſein. Ich garantire für ihn.
Der Teufel hole deinen phrenologiſchen Unſinn! verſetzte der Baron halb zornig, halb lachend. Doch die Sache iſt abgemacht; mein Herr, ich vertraue Ihrer Ehre. Hier iſt meine Hand.


