Eine Nacht. 233
Dann ging er ein paar Mal ſchweigend auf und ab, trat plötzlich vor mich hin und ſagte feierlich:
Glauben Sie an die Heiligkeit des Eides?
Wie können Sie daran zweifeln! erwiederte ich, die Hand aufs Herz legend.
Wohlan, mein Herr! Sie ſind durch eine ſonder⸗ bare Verkettung von Umſtänden— ich will annehmen, ohne jede Schuld von Ihrer Seite— in Geheimniſſe ein⸗ geweiht, welche meinen Kopf und vielleicht werthvollere Köpfe Ihrer Discretion anheim geben. Der von mir genannte Name des Grafen Chaſot genügt, Ihnen un⸗ zweifelhaft zu machen, welcher Natur jene Geheimniſſe ſind. Durch den Frieden von Tilſit bin ich weſtphä⸗ liſcher Unterthan geworden, meine Güter liegen auf weſtphäliſchem Boden— ich bin in der Gewalt der weſtphäliſchen Behörden. Mein Herz iſt preußiſch ge⸗ blieben und wird ſtets nur für meinen wahren König — nie für den Uſurpator ſchlagen. Sie können mich verrathen, Sie können mich unglücklich machen. Ich verlange daher einen Eid von Ihnen, daß Sie nichts, — auch gegen Ihren intimſten Freund kein Wort ie⸗ mals von dem ausſprechen werden, was Sie innerhalb dieſer Wände gehört, erfahren, oder auch nur errathen haben! Ich kann nicht in Ihr Herz ſehen, ich ver⸗ lange Ihren Eid.
Den werden Sie nie bekommen, ſagte ich nach einer Pauſe der Ueberlegung.
Er trat zur Seite, berührte eine Stelle der Wand; eine Tapetenthür ſprang auf und ließ eine Riſche ſehen, in der eine Cavallerie⸗Uniform und verſchiedene Waffen aufgehängt waren. Er ergriff zwei ſchön gearbeitete Piſtolen, reichte ſie mir und ſagte mit eiſiger Ent⸗ ſchloſſenheit: Wählen Sie!
Sie haben mich, meine Zuhörer, in den früheren Scenen dieſer Erzählung ohne Zweifel als einen ſehr ſchüchternen, wohl gar furchtſamen Mann kennen ge⸗ iernt. Ich leugne nicht, daß mir oft im Leben bei


