Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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232 Ernſt Andolt.

Der Freiherr wurde während meiner Rede leichen⸗ blaß. Für wen halten Sie mich denn aber, rief er, für wen?

Für den hochverehrlichen Freiherrn von Stawitz, der mir auf Empfehlung meines Gönners, des Pro⸗ feſſors H., die Erziehung ſeiner Kinder anzuvertrauen die Gewogenheit hatte.

Der Teufel hole den Baron von Stawitz und Ihren Profeſſor H. dazu! Aber die Sache iſt nicht Ihre Schuld, ſehe ich wohl. Ein unglückſeliges Zu⸗ ſammentreffen!— Ich errathe jetzt die ganze Geſchichte. Herr von Stawitz iſt mein Gutsnachbar— ſein Wa⸗ gen wird ſich verſpätet haben— aber der Hauptmann mußte doch auch—— Was iſt denn aus dem ge⸗ worden?——

Vielleicht meinen Sie, Herr Baron, einen preußi⸗ ſchen Officier, welcher mit derſelben Poſt reiſ'te, und Sie in meiner Perſon zu empfangen glaub⸗ ten?

O, alſo das Ganze iſt nur ein Scherz, rief der Baron mit verklärtem Geſichte; Sie ſind der Haupt⸗ mann und haben ſich in dies alberne Koſtüm geſteckt, um keinen Verdacht zu erwecken, und benutzten es nun, um mir einen Schreck zu bereiten! Nun, das iſt Ihnen faſt gelungen.

Nein, Herr Baron, ſagte ich ruhig und feſt, ich bedaure, Ihnen dieſe angenehme Täuſchung ver⸗ derben zu müſſen. Der von mir erwähnte Officier iſt auf der erſten Station hinter Halle von einem weſtphäliſchen Polizeibeamten verhaftet worden, und ich bin Der, für den ich mich von Anfang an ausgegeben habe, Candidat Friedmann; und um jeden Verdacht gegen meine Perſon zu entfernen, ſehen Sie hier den Brief des Herrn von Stawitz, in welchem er mich—

Schon gut! rief der Baron, das dargereichte Schreiben heftig ergreifend, um es flüchtig zu durch⸗ laufen und auf den Tiſch zu werfen.