Eure Wege ſind nicht meine Wege. 37 geſammelt, als wäre Richts geſchehen, an ihrem Platze
bei dem Frühſtücktiſch. Der Graf machte keine Be⸗
merkung, nur ſagte er nach dem kurzen Mahle: Ich
habe mit dir zu ſprechen, und ſchweigend folgte ſie ihm
auf ſein Zimmer. Setze dich! ſagte er, und ſie gehorchte
ſeinem Befehl. Ihr gegenüber nahm er Platz.
Es ſind dieſe Nacht Dinge vorgefallen, ſagte er mit einem tiefen Ausdruck von Ernſt, Trauer und Be⸗ ſorgniß, wie Leonie nie an ihm geſehen, es ſind Dinge vorgefallen, die zu verhindern ſeit Jahren mein ſtetes Bemühen war. Welchen Eindruck ſie auf dich gemacht, iſt mir nicht möglich zu ermeſſen, und ich kenne dich genug, um zu wiſſen, daß es nutzlos wäre, dich darüber zu befragen. Dir die Gründe meines Betragens aus⸗ einander zu ſetzen, iſt mir nicht möglich, und für dich könnte es nur ſchädlich ſein. Ich mußte ſo handeln, wie ich handelte, und das ſchreckliche Ende der unglück⸗ lichen Frau, die dir das Leben gab, ſagt dir deutlich genug, daß die Schuld nicht auf meiner Seite iſt.
Leonie antwortete nicht.
Der Graf fuhr nach einer Pauſe fort: Da der Aufenthalt auf dieſem einſamen Schloſſe mir jetzt nicht rathſam für dich erſcheint und deine Ausbildung über⸗ dies einer größeren Vollendung bedarf, als Fräulein Pertold allein ſie dir mittheilen kann, ſo iſt es meine Abſicht, ſchon morgen mit dir nach B. abzureiſen. Halte dich alſo zu früher Morgenſtunde bereit. Fräulein Pertold wird uns begleiten. Du kannſt gehen.
Leonie erhob ſich, und nach einer Verbeugung, die der Graf nur kalt erwiderte, entfernte ſie ſich aus dem Gemach.
So war alſo ihr ſehnlichſter Wunſch erfüllt, bevor ſie deſſen Erfüllung nur möglich geglaubt. Sie ſollte in die Welt, dieſe zauberhafte Welt, von deren Wundern Fräulein Pertold zu erzählen pflegte, den Eifer ihrer Schülerin anzufachen, auf jener glänzenden Bühne die eigene Rolle einſt mit Ehre zu beſtehen. Was ging in


