Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eure Wege ſind nicht meine Wege. 35

los in die Augen in einem ſtarren, finſteren Trotze, in dem ihre zarte Geſtalt weit über natürliche Größe emporzuwachſen ſchien.— Ich bleibe! ſagte ſie leiſe, aber feſt. Ein heiſeres Lachen klang durch das Zimmer; es war die Kranke, die triumphirend zu dem Grafen hinüberſah.

Seine Augen blitzten, und eine dunkle Röthe be⸗ deckte ſeine Stirne. Doch noch einmal bezwang er ſich, er trat dem Lehnſtuhle näher, in welchem die Kranke lag, und legte ſeine Hand auf Leonie's Haupt.

Ich werde ſie beſchützen, ſelbſt gegen dich, ſagte er. Was du ihr ſagen willſt, paßt nicht für ein ſo junges Ohr. Er ſah nur den Blick der Kranken, es war ihre einzige Antwort, aber dieſer Blick war eben ſo lauernd, entſchloſſen und kalt, als er ihn nur je in der vollen Kraft des Lebens an ihr geſehen. Einen Augenblick dachte er daran, das Mädchen mit Gewalt fortbringen zu laſſen, aber eben ſo ſchnell gab er den Gedanken wieder auf. Seine Geſtalt hob ſich höher, ſein zürnender Blick begegnete feſt dem ihrigen.

Gut, ſo werde ich reden, fuhr er mit langſamer Betonung ſort, und dann wähle zwiſchen mir und dir. Da ging eine merkwürdige Veränderung mit der Kranken vor; ihr Auge ſchien vor dem des gehaßten Mannes zurückzuweichen, das ſtechende Feuer, das ihn daraus angeglüht, erloſch nach und nach, ſie ſchlug die bleichen Hände zitternd vor das Geſicht. Geh, hauchte ſie faſt tonlos, geh, Leonie, es iſt beſſer ſo! und ſie zog ſich immer tiefer in den Lehnſtuhl zurück, als ſchauere ſie vor einem entſetzlichen Gebilde ihrer Phantaſie.

Zögernd blickte das junge Mädchen zu ihr auf. Da trat der Graf hinzu, hob ſie faſt mit Heftigkeit von der Erde, zog ſie zurück und hielt ſie an ſeiner Seite feſt. Die Augen der Sterbenden folgten ihm mit einem angſtvollen Blicke. Jetzt wendete er ſich wieder zu ihr.

Du haſt keinen Prieſter ſehen wollen, daß er die