30 Hermine Wild.
Das ewige Einsrlei bringt mich noch um. Der Vater und Fräulein Pertold— Fräulein Pertold und der Vater— die Pertold iſt langweilig— ſie ſagt, ich ſei ſchön— das weiß ich ohne ſie, aber was nützt es mir hier? Mit dem Vater kann ich einmal nichts machen — ich habe die Hoffnung aufgegebeu.— O dieſe ewige Verſtellung— und wozu? Er glaubt mir doch nicht! — Die Pertold ſchau' ich durch und durch, die hab' ich auswendig gelernt, ſie wartet auf eine Penſion.— H hätte ſie ſie doch und ließe mich in Ruhe!— Dann die Frau Paſtorin— die iſt gut wenigſtens— ich glaube auch, ſie hat mich lieb— das iſt aber Alles alt, und was geht's mich an?— Es iſt doch nicht, was ich will— und was ich will, das iſt nicht hier in dieſem alten Loche— von der Pertold kann ich nichts mehr lernen was ſie weiß, weiß ich jetzt auch— ſie ſagt, ich ſei eine ganze Dame. O Welt— wann öffneſt du dich mir?
Hier ſanken die Hände wie erſchöpft von den Taſten herunter, und Leonie's Kopf ſenkte ſich auf das Klabier. Ju demſelben Augenblicke klopfte es an die Thüre. Leonie erhob ſich raſch, Langeweile und Ab⸗ ſpannung waren aus ihren Zügen verſchwunden, ein Lächeln ſpielte um den Mund. Herein! rief ſie; die Thüre öffnete ſich, und athemlos und weinend erſchien Tine auf der Schwelle.
Des Fräuleins Geſicht überflog ein Ausdruck von Ueberraſchung und leichtem Mißvergnügen, aber Tine war zu aufgeregt, um es zu bemerken.
ch, Fräulein, rief ſie haſtig und zog die Thüre vorſichtig hinter ſich zu, verrathen Sie mich nicht, um Gottes willen! Die wahnſinnige Frau bei meinem Onkel Thomas liegt im Sterben und will Sie durch⸗ aus ſehen.
Ueber Leonie's bewegliche Züge flog ein neuer Wechſel, reine Verwunderung war das Erſte, dann blitzten ihre Augen auf und ihre erſte Bewegung war


