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Gure Wege find nicht meine Wege. 23
dem Thäter übel bekommen war; aber dann lag es vielleicht daran, weil er die rechte Zeit nicht ab⸗ gewartet.
Wann iſt die rechte Zeit, das Rechte zu thun? fuhr ſie fort.
Immer— ſagte die Pfarrerin. Das Mädchen ſchüttelte den Kopf. Wenn wir aber Verdruß davon haben, das Rechte zu thun?
Man muß es dennoch thun.
Aber warum?
Weil Gott es befohlen hat.
Aber warum hat er es befohlen?
Weil es ſo recht iſt.
Aber warum iſt es recht? fuhr Leonie, die nicht aus dem Kreiſe heraus kam, zu fragen fort.
Weil Gott es befohlen hat, iſt es recht.
Aber er hätte auch das Gegentheil befehlen können, war des Mädchens kecker Schluß.
Kind, rede nicht ſo gottlos, ſagte die fromme Frau, die an dem Ende ihrer theologiſchen Weisheit ange⸗ langt war und in ihre früheren Gedanken verſank. Aber in Leonie's regem Geiſt blieb die ungelöſ'te Frage und beſchäftigte ſie, bis ſie an dem Orte ihrer Beſtim⸗ mung aus dem Wagen ſtieg.
Dier indeſſen ſchwanden die letzten Eindrücke ſehr bald vor den Ueberraſchungen, die ſie erwarteten, und die für Leonie den vollen Reiz der Neuheit beſäßen. Die Frau Pfarrerin hatte Auftrag bekommen, dem kleinen Fräulein eine ſtandesmäßige Toilette zu ver⸗ ſchaffen, und die etwas rohen Stoffe, die bis jetzt ihre Gaderobe ausgemacht, wurden durch die feinen und glänzenden Gewebe erſetzt, mit welchen der Lurus ſeine Auserkorenen bedeckt. Niedliche kleine Schuhe umſchloſſen die zierlichen Füßchen, durch welche zwar das Herum⸗ ſteigen in Feld und Wald, wie es ihnen bis jetzt eigen geweſen, ſo ziemlich zur Unmöglichkeit gemacht wurde, die aber Leonie's eitles Mädchenherz ſchnell genug


