20 Hermine Wild.
nen der Hecke und hielt das erſchreckte Kind am Kleide feſt.
Bleibe! ſagte eine ſüße, leiſe Stimme in der ſanf⸗ ten Sprache, die ſie ſo lange nicht mehr gehört, und die wie ein halbvergeſſener Traum nur noch in ſeltenen Nachklängen durch ihre Seele zitterte— Wieder ſiegte die Neugierde, ſie blieb ſtehen und wandte ſich der Fremden zu.
Wer biſt du? Wie heißeſt du? frug dieſe jetzt, und ihre zweite Hand, ebenfalls durch die Dornen ge⸗ ſtreckt, erfaßte mit zitternder Haſt des Mädchens kleine, halb widerſtrebende Hand.
Ich heiße Leonie und bin des Grafen Tochter, dem das Gut gehört.
O komm näher! Laß dich anſchauen! bat die Frau und zog ſie mit beiden Händen dichter an die Hecke heran. Mit durſtigen Augen hing ſie an dem feinen, in wechſelnder Bewegung erröthenden und erbleichenden Geſichtchen feſt. Kein Zug, murmelte ſie halblaut, kein einziger Zug! Ein düſterer Ausdruck wie Schmerz und Trauer, aber ohne Weichheit, zog über ihr Geſicht und überdeckte es mit einer noch tieferen Bläſſe. Wo iſt dein Bruder? frug ſie plötzlich, wie ſich beſinnend. Eer wollte nicht kommen, der Vater hat's verbo⸗ ten, ſagte Leonie.
Und da kommt er auch nicht?
Vein, er fürchtet ſich.
O er iſt ſeines Vaters rechtes Kind! ſagte die Frau mit einer Bitterkeit, die nicht ohne Verachtung war. Sie ſchwieg eine Weile. Hat er dir's auch ver⸗ boten? frug ſie dann.
Die Röthe der Scham ſchlug unwillkürlich auf in Leonie's Geſicht. Ich habe nicht gefragt, ſagte ſie zögernd und erwapteke faſt einen Verweis.
ie Frau betrachtete ſie aufmerkſam einen Augen⸗ blick. Liebſt du deinen Vater? frug ſie dann.
Leonie ſtockte— darüber hatte ſie noch nicht nach⸗


