Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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18 Hermine Wild.

beigewohnt; auch jetzt ſagte ſie nichts, aber in ihrem Herzen wühlte es und ließ ihr keine Ruhe. Was war es denn, was der Vater, zu dem ſie ſtets nur mit tie⸗ fer Scheu, wie zu einem höheren Weſen, unfehlbar in ſeiner unerbittlichen Strenge, aufgeblickt, was war es, das er ſo ſorgfältig, ja in dem Grunde ihrer Ge⸗ danken lag das Wort unausgeſprochen: wie ein Ver⸗ brechen verbarg?

Ich muß doch dahinter kommen, ſagte ſie ſinnend. Aber es war ſchwerer, als ſie geglaubt.

Eines Tages war ſie mit Otto im Walde.

Wir müſſen heim, ſagte er, es wird ſpät

O, wir können den kürzeren Weg nehmen, meinte Leonie.

Dann müſſ thue ich nicht.

Der Thomas iſt aber nicht zu Hauſe; ich hörte geſtern wie die Leute ſagten, er gehe heute nach der Stadt.

Das iſt mir einerlei, war Otto's veſolute Antwort.

So gehe ich allein, verſetzte Leonie ſchnippiſch.

Du weißt, der Vater hat's verboten, und ich ſag's ihm, wenn du gehſt

Mir hat er's nicht verboten, erwiderte Leonie in gereiztem Tone. Aber du weißt, er mag mich nicht, und da freuſt du dich, wenn du mir einen Verdruß machen kannſt.

Damit war nun freilich Otto geſchlagen. Sein gutes Herz litt unter der größeren Liebe des Vaters, die er als eine Ungerechtigkeit gegen die Schweſter empfand; aber ſein Nachgeben zeigte ſich nicht auf eine freundliche Art.

Du biſt eine rechte Katze, ſagte er ärgerlich und ſah ſie zornig an. Meinetwegen! thue was du willſt. aber mit dir gehe ich nicht, und wenn's der Vater erfährt, ſo iſt's meine Schuld nicht, wenn er dir ein Wetter macht.

en wir beim Thomas vorbei, und das