Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Eure Wege ſind nicht meine Wege. 15⁵

Vorwürfe machen das Geſchehene nicht ungeſchehen, und wir müſſen tragen, was nicht zu ändern iſt. Er ſchwieg, dann begann er wieder mit lauter, feſter Stimme: Nein, Nichts läßt ſich ändern; was zu mil⸗ dern war, habe ich gemildert; martern will ich dich nicht, aber ſchwören mußt du mir

Glauben Sie noch an Schwüre, Herr Graf? frug ſie, den Kopf erhebend, doch ohne ihn anzuſehen. An meine Schwüre? ſetzte ſie höhniſch hinzu.

Auch gut, erwiderte er, deine Unkenntniß der Sprache bürgt mir für deine Unſchädlichkeit, und allem Uebrigen werde ich vorzubeugen wiſſen. Er trat zur Thüre, die er öffnete, und Thomas' Mutter, welche draußen gewartet hatte, trat jetzt herein. Sorget für ſie, ſagte er ihr in deutſcher Sprache, auf die Fremde weiſend; dann blickte er noch einmal um: Gott behüte dich! ſagte er wieder auf franzöſiſch. Sie hatte das Geſicht in die Hände gelegt und rührte ſich nicht. Er verließ das Gemach und trat in den Garten hinaus. In tiefen Gedanken blieb er hier ſtehen, die Hand an die Stirne gelegt. Es wird ſchwer ſein, ſie zu bändi⸗ gen ſagte er endlich vor ſich hin, als glaube er ſich altein.

Sie iſt krank, verſetzte Thomas, der ihm gefolgt war, ſehr krank, die paar Jahre haben ſchrecklich an ihr gezehrt.

Nichts konnte mir ungelegener kommen, als dieſe Verheirathung des Arztes; und ſie einem Andern an⸗ vertrauen nein, das ging auch nicht an! Er ſchwieg und verſank von Neuem in Gedanken.

Wer weiß, wie bald die letzte Löſung kommt, ſagte Thomas halb zögernd. Der Graf antwortete nicht.

Ihr kennt meinen Willen! ſagte er dann, ſich gegen ſeinen Diener wendend.

Sie kennen mich ja, gnädiger Herr. Der Graf nickte, reichte ihm die Hand, und ohne weitere Worte ſchieden ſie.