14 Hermine Wild.
keine Spur mehr von Angſt und Verzweiflung; ein wilder, wüthender Trotz hatte jeden andern Ausdruck verdrängt. Ihre Lippen bebten, ihre ſchwarzen Haare wallten unordentlich um das bleiche, noch immer ſchöne Geſicht, und aus den ſchwarzen Augen blitzte ein ſtechen⸗ des Feuer, vor dem der Graf unwillkürlich erblaßte und einen Schritt zurückwich.
Es ſoll mir nichts abgehen! wiederholte ſie in höhnendem Tone. Was giebt es denn, das mir nicht abginge? Daß Ihr mich den Athem des Lebens ſchöpfen laſſet, iſt das die große Gnade, die Ihr mir gewährt, für mein Glück, für meine Jugend, die Ihr
mir genommen, für jeden Schatz des Lebens, den Ihr
mir geraubt! Sie ballte leidenſchaftlich die Hände und hob ſie mit einem irren Lachen. So ſaget doch, Ihr verſteht Euch ja darauf, ſaget mir, was es noch giebt, das Ihr mir nicht erbarmungslos zertreten habt. Hättet Ihr mich getödtet, es hätte Euch nicht die halbe Freude gemacht.
Ueber des Grafen Augen ſchien bei dieſen Worten eine Wolke zu ziehen. Mit einem furchtbaren Laute des Zornes trat er auf ſie zu, faßte ſie heftig am Arme und drückte ſie auf den Stuhl, von dem ſie ſich in ihrer Aufregung halb erhoben. Zitternd vor Erſchö⸗ pfung ſank ſie darauf zurück, aber mit ungebrochenem Trotze blickte ſie noch immer zu ihm auf. Seine Bruſt hob ſich ſchwer, es rollte darin ein tiefes Ungewitter, doch brach es nicht ſogleich los, und ohne daß er es wußte, drückten ſeine Finger dunkle Flecke in den weißen, weichen Arm, den er gefaßt. Warum ich dich nicht getödtet? ſagte er endlich leiſe, aber mit der zermal⸗ menden Kraft, welche allein der höchſte Zorn gewährt; mahne mich nicht daran! ich habe Blut genug geſehen. Unſelige! was haſt du aus mir gemacht!— Sie wandte erbebend das Geſicht von ihm ab; die Beſinnung kam ihm wieder und er ließ ſie los. Was nützen Worte? fuhr er dann nach einer Weile, dumpf aber ruhig, fort.


