Teil eines Werkes 
22. Band = 4. Serie, 4. Band (1875) Euere Wege sind nicht meine Wege / von Hermine Wild
Entstehung
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Cure Wege ſind nicht meine Wege. 13

lichkeit iſt geſorgt, ſo viel es ſich thun ließ; nur die Kleider ſollſt du wechſeln, denn du giltſt für eine Verwandte meines Pächters, und Niemand darf ahnen, daß dem nicht ſo iſt.

Die feinen, zitternden Hände ſchloſſen ſich krampf⸗ haft in einander, und zum erſten Mal zeigte ſich ein Ausdruck des Entſetzens auf ihrem Geſicht.

Laßt mich ziehen, ſagte ſie nach einer kurzen Pauſe, was habt Ihr hier von mir, wenn Ihr mich nicht tödten wollt?

Ziehen? und wohin? frug der Graf.

Wo mich Niemand kennt, wohin mein Name nie enen iſt, von wo Ihr nie mehr von mir hören ſollt.

Nein, verſetzte er düſter, die Zukunft meiner Kinder darf nicht der Laune des Zufalls anheimgeſtellt ſein.

Ich werde ſchweigen!

Er ſchüttelte nur heftig den Kopf.

So züchtiget mich, wenn ich rede; Ihr habt ja die Mittel dazu! verſetzte ſie bitter.

Gott behüte mich davor, ſie anwenden zu müſſen!

rief der Graf mit erhobener Hand. Nein, ſetzte er kalt und feſt hinzu, es bleibt Alles wie bisher, und Nichts iſt verändert, als dein Wächter und dein Auf⸗ enthaltsort. Mit unausſprechlicher Angſt wandten die Augen der Fremden ſich vom Grafen auf Thomas, der regungs⸗ los an der Thüre ſtand; doch der Diener ſchien nichts gehört zu haben, und die Züge des Grafen blieben unbewegt. Sie ſtöhnte laut auf und barg das bleiche Geſicht in die Hände. Alles war ſtill, der Graf ging wieder auf und ab, endlich, nach einer längeren Pauſe, fing er wieder an:

Es ſoll dir nichts abgehen, ſprach er in beruhigen⸗ dem Tone, weiter kam er nicht. Es war, als habe eine Schlange ſie geſtochen, mit ſolcher Heftigkeit warf die Fremde den gebeugten Kopf in die Höhe. Da war