8 Hermine Wild.
faſt ſagen, es wäre beſſer geweſen, er hätte ſie nicht ſo gut gekannt.
Sie ſind zu ſtreng gegen Ihre Tochter, Herr Graf, ſagte der Pfarrer eines Tages zu ihMm.
Finden Sie? frug der Graf in den Hof deutend, wo Leonie, in dem Kreiſe einiger jugendlichen Verehrer ſtehend, die ihr angeborne Anmuth in unbewußter Ko⸗ ketterie zum Zeitvertreib an ihnen übte.
Kinderei! meinte der Pfarrer, die Achſeln zuckend.
Die Zeit wird kommen, wo es keine Kinderei mehr ſein wird, verſetzte der Graf, was dann?
Ich begreife Sie nicht. Jeder andre Vater hätte ſeine Freude an dem ſchönen Kinde, und Sie—
Ja, ſie iſt ſchön, ſagte der Graf und eine Wolke zog über ſeine Stirn, ich wollte, ſie wäre es nicht.
Der Pfarrer war erſtaunt, ſchwieg aber, da er zu 6 fühlen glaubte, dem Grafen ſei das Geſpräch unange⸗ nehm. Seine Verſtimmung hatte überhaupt ſeit einiger Zeit bedeutend zugenommen. Er war offenbar unruhig, ritt einigemal ſelbſt nach der nächſten Stadt und unter⸗ nahm endlich eine längere Reiſe, von der er erſt nach Wochen wiederkam. Ein gewiſſes Befremden erregte es vorher im Dorfe, daß er einen Hof, der in einiger Ent⸗ fernung vom Dorfe ziemlich vereinſamt am Saume des Waldes lag und dem Schloſſe eigen zugehörte, einem ſeiner Diener in Pacht gab, dem einzigen, der ihn aus der Fremde zurück begleitet, ſich durch ſein mürriſches, verſchloſſenes Weſen wenig Liebe erwarb und dazu, obgleich ein Deutſcher, doch fremd in der Ortſchaft war. Wie geſagt, die Leute verwunderten ſich über das Glück
des Mannes, und die Gunſt, in welcher er bei dem Grafen ſtand, erwarb ihm manchen Neider. Das küm⸗ 6 merte aber den Thomas Werner nicht. In aller Ruhe
ließ er ſeine neue Behauſung herrichten, wie man ſagte, mehr wie es ſich für ein Herrenhaus gezieme, als für einen Bauernhof. Möbel wurden aus der Stadt her⸗ beigeſchafft, die Fenſter der oberen Zimmer umhüllten


