Hermine Wild.
walters durch beſonders empfindliche Eintreibung grund⸗ herrlicher Gerechtſame aufgefriſcht ward. Da ſprach man denn von ihm als von einem ziemlich leichtſinnigen, ein wenig zum Stolz geneigten, im Ganzen aber freund⸗ lichen und milden Herrn, auf den man einſt große Hoffnungen geſetzt und deſſen Rückkehr man herbei⸗ wünſchte, ohne daran zu glauben, weil man in ihr die einzige Schranke für die oft unausſtehliche Thrannei der
eamten ſah. Und nun war er wirklich gekommen, faſt unerwartet, und Alt und Jung war herbeigelaufen, ſich an ſeinem Anblick zu erfreuen, und Alt und Jung ſchüttelte die Köpfe über die Verſchiedenheit zwiſchen dem Grafen, den ſie geträumt, und demjenigen, den ſie nun ſahen. Er kehrte zurück, ein gebrochener Mann, vor der Zeit gealkert und die in früher Jugend ſo muthig erhobene Stirn von einem finſtern Ernſt um wölkt, der jede Freude ob ſeiner Rückkehr ſchneil ver⸗ ſtummen hieß.
Der Tod ſeiner Gemahlin habe ihn ſo geändert, ſagte man ſich. Er habe vergebens auf Reifen Zer⸗ ſtreuung für ſeinen Schmerz geſucht; noch jetzt könne er ihren Namen nicht ausſprechen hören, und keine Frau habe ſeit ihrem Verluſte einen Eindruck auf ihn gemacht. Die Bauern ſchüttelten die Köpfe dazu; Sen⸗ timentalität iſt auf dem Dorfe wenig zu Hauſe; ſie waren froh, daß der Gram ſeine Gerechtigkeit und Ein⸗ ſicht nicht getrübt, die Plackereien der Beamten hatten ein Ende, mehr verlangten ſie nicht. Doch Liebe und Vertrauen erwarb ſich bei ihnen der kalte, ſchroffe Ge⸗ bieter nicht, deſſen Stolz durch ſein Unglück nur ge⸗ wachſen ſchien. Ein freundliches Geſicht hätte ihm mehr Herzen gewonnen, als alle ſeine wirklichen Eigen⸗ ſchaften es vermochten. Nur die Frauen waren mildern Sinnes, ſie bedauerten ihn, und die verſtorbene Gräfin, die ſolche Liebe eingeflößt, galt unter ihnen, trotz ihres Todes, ſür eine hochbeglückte Frau. Zwei Kinder hat⸗ ten ihn begleitet; der Knabe mit ſeinem deutſchen Na⸗


