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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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113 chen, milden Ausdruck an, wie man ihn nie an ihm beobachtet hatte. Dann zuckten die Muskeln ſeines Ge⸗ ſichts heftig und ein Thränenſtrom brach hervor mit voller Macht, um ſo ergreifender für Antonio und die Gräfin, als ſie nie Zeugen einer ſolchen Regung ſei⸗ nes Gemüthes waren. Er bedeckte ſein Geſicht mit ſei⸗ nen Händen und weinte laut.

Ach, ſagte er dann die Gnade Gottes geht überſchwänglich liebevolle Wege mit mir! Ich bin nicht werth aller Liebe und Gnade, die Gottes Erbarmung mir erweiſt! Aber ſo mußte es kommen, daß dieß harte Herz gebrochen würde. Alles Gut der Erde, an dem meine Seele hing, mußte hingehen; aller Glanz eines großen Namens, auf den ich eigenſinnig hielt, mußte erbleichen und mit Schmach und Elend bedeckt werden; aller Hochmuth, der den Menſchen nicht als Bruder anerkennen woilte, weil er nicht ebenbürtig wäre, mußte zertreten werden; die Barhmerzigkeit deſſen, den ich von mir ſtieß, weil er beſſer war, als ich, als alle, die ich höher ſtellte, mußte noch vor Hunger ſchützen damit ich geheilt würde, damit, dem Grabe nahe die Reue den Zugang fände zu meinem böſen Pn

O mein Antonio, Kind meines mißhat eten

Bruders, ſelbſt mißhandelt von mir, der Dein Vater hätte ſein müſſen Antonio, kannſt Du mir ver⸗ zeihen?

Er breitete ſeine Arme aus, Antonio entgegen, und der edle Menſch, der dieſen ſeligen Augenblick ſo lange erſehnt, ſein Nichtkommen ſo tief beklagt hatte, flog an das Herz des Greiſes und weinte wohl⸗ thuende, herzerleichternde Thränen an der Bruſt, an die er ſich ſo oft vergeblich geſehnt.

Horn. Liſſabon. 3 8