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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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ſchweren Sorgen der Erhaltung des leiblichen Lebens von ihnen allen wegzuſcheuchen. Sie faßte ſeine Hand und fragte ihn, wer er, wer Antonio ſeien; ſagte ihm, daß ſie ihn wiedererkannt. Jetzt glaubte Juan das Schweigen brechen zu dür⸗ fen. Als ſich die unglückliche Frau einigermaßen von dem Schrecken erholt hatte, erzählte er ihr in kurzen Worten Alles, was ſie zu wiſſen wünſchte, und wiſſen mußte, um Antonio's ganzen Edelmuth zu begreifen und zu würdigen. Sie eilte dann zu ihm, um ſeine Bemühungen an dem Greiſe mit zarter Hand zu unterſtützen. Endlich ſchlug er matt die Augen auf. Sein Blick

ruhte lange auf Antonio, als ſuche er dieſe Züge mit

den Erinnerungen ſeines Gedächtniſſes zu vereinigen. Allmählig erholte er ſich. Die Erquickung des Weines belebte wieder die geſunkene Lebensktaft.

Er richtete ſich auf.

Sind die Todten auferſtanden in dieſem Grau⸗ des Erdbebens? fragte er. Du biſt das Bild meines, ach leider verſtoßenen Bruders, das Bild meines un⸗ glücklichen Antonio's aber der könnte nicht ſchnee⸗ weißeres Haar haben vor Alter, wie ich es trage mit der Laſt der Jahre!

Es iſt Antonio, Euer Neffe, unſer Wohlthäter ſeit Jahren, ohne daß wir es ahneten, ohne daß Ihr ihn ſehen wolltet, als Euch der Barbier ſagte, er lebe und ſei zurückgekammen! ſprach unter heißen Thränen die Gräfin zu ihm.

Lange ſtarrte ihn der Greis an. Es war als thaue die Sonne göttlicher Gnade das Eis auf, das ſich um ſein Herz gelegt hatte. Seine Züge nahmen einen wei⸗