Druckschrift 
Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
Einzelbild herunterladen

111

Oheim auf den Raſen niedergelegt. Auf den Greis richtete ſich ſeine ganze Thätigkeit und Sorgfalt. Er fühlte es, die Stunde war gekommen, wo er ihm all den Kummer vergelten ſollte, den er ihm durch ſeine trotzköpfige Entfernung gemacht und all den Jammer, den ihm Jaime's Verworfenheit bereitet, die ſicherlich nicht in dem Maße ihn hätte beugen können, wenn er bei ihm geblieben wäre. Die Schuld des Oheims, die freilich nicht klein war, hätte Antonio längſt vergeben. Der Kummer, den er erlebt, hatte ſein Herz geläutert. Nur verſöhnen, nur beglücken wollte der edle Menſch, das war das Ziel ſeines Ringens. 33 Der Umſtand, daß das Häuschen, welches er mit Juan bewohnte, aus Holz erbaut, nur einſtöckig und mehr breit, als hoch war, verurſachte es, daß alle die Erdſtöße es nicht zum Einſturze brachten. Wohl hatte es gelitten, allein, es war doch noch bewohnbar geblie⸗ ben und es ſchien, als ob auf der Höhe die Gewalt

der Erdſtöße minder heftig geweſen wäre.

Kaum war jener gewaltige Stoß vorüber, ſo eilte Antonio in das Haus und holte eine Flaſche Wein, um dem Greiſe einige Tropfen einzuflößen und kihn damit anzuwaſchen.

Die Gräfin Palmella, die weder Juan noch An⸗ tonio kannte, begriff die Theilnahme der fremden Män⸗ ner an dem Marquis, an ihr und ihren Kindern nicht; als ſie aber Juan genauer betrachtete, erkannte ſie in ihm den Mann wieder, der unter verſchiedenen Ver⸗ kleidungen ihr die großen Geldſummen gebracht, welche ſie in den Stand geſetzt hatten, nicht nur ihren Kin⸗ dern eine beſſere Erziehung zu geben, ſondern auch die