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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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fahr hin, ihr Leben einzubüßen Bei dieſen Raubzügen wurden furchtbare Greuel verübt. Verwundeten, welche Ringe an den Fingern oder in den Ohren hatten,

nahmen ſie ſich nicht die Mühe, dieſe abzuziehen, ſon⸗

dern ſie ſchnitten ihnen Finger und Ohren ohne Er⸗ barmen ab und warfen dann ſie ſelbſt in die Flam⸗ men. Beſonders waren die Paläſte, und unter dieſen der Königliche Palaſt ihr Augenmerk. Sie ſtahlen den Schatz von koſtbaren Edelſteinen und Perlen, die Kö⸗ nigliche Krone, das koſtbare Geräthe von Silber und Gold, denn Niemand hinderte ſie. Niemals hat das Verbrechen freiere Hand, weiteren Spielraum gehabt, als hier unter dieſen Trümmern des menſchlichen Glückes. Aber welch ein Grad von Verworfenheit tritt dabei zu Tage! Wie muß doch der Menſch alles Beſ⸗

ſern entkleidet ſein, wenn er auf ſolcher herzergrei⸗

fenden Stätte des Unglücks ſeiner Mitmenſchen rau⸗ ben und ſtehlen, allem menſchlichen Gefühle Hohn ſpre⸗ chen kann? Nicht blos auf die Stadt beſchränkten ſie ihre Ruchloſigkeit; ſie benutzten die allgemeine Ver⸗ wirrung, um in Haufen in die benachbarten Orte und

Schlöſſer einzubrechen, die Reiſenden auf den Land⸗

ſtraßen zu berauben und zu ermorden. Von allen Sei⸗ ten, ſelbſt aus dem nicht fernen Spanien erſchienen Räuberbanden, ſo das der Zuſtand völliger Auflöſung der Ordnung, Sicherheit und Ruhe eintrat, bis end⸗

lich der König eine Menge Galgen rings um die

Stadt errichten ließ, und Soldaten ſandte, um ſie aufzugreifen, und ſofort aufzuknüpfen, wen dieſe auf

ſolchen Wegen und friſcher That ergriffen. Selbſt Sol⸗

daten flohen von ihren Fahnen und ſchlugen ſich zu den Räubern, die zuletzt auch, faſt öffentlich, den Un⸗