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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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keine Weisheit kann es uns ſo recht klar ſagen, wie es der liebe Herrgott macht, der ſie ſo viel ſchöner kleidet, als Salomon in ſeiner Herrlichkeit gekleidet war, und wie er die Wohlgerüche hineinlegt, die uns erquicken und von wannen er ſie herholt. Wir wiſſen die Wirkungen des Erdbebens wohl, denn man hat ſie hier und dort, wo man ſie erlebt, gar genau und ſchauerlich beſchrieben; aber wie ſie kommen, das liegt im Dunkeln des geheimen Haushalts der göttlichen Allmacht und ihres Waltens in der Natur. Was wir davon wiſſen, das iſt eben von geſcheiden Leuten mit bewundernswürdiger Scharfſinnigkeit zuſammengeſtellt und vermuthet worden. Dieſe Vermuthungen aber ſind ſo einleuchtend, daß man meinen ſollte, es könnte gar nicht anders ſein. Nun, Gott allein weiß, ob's überall und immer ſo iſt und zutrifft, und es wird die Zeit wohl kommen für uns alle, wo wir im Lichte ſchauen, was uns hier dunkel blieb. Das aber wird geſchehen, wenn das Stückwerk vergeht; wenn das leibliche Auge ſich im Tode wird geſchloſſen haben, das Auge des Geiſtes aber aufgeht, das zum Er⸗ kennen der Wahrheit im Lichte befähigt iſt.

Was aber unſere Gelehrten darüber geſagt haben, das will ich verſuchen, Ench verſtändlich zu machen, dabei mir's aber gehet nach dem Sprüchworte, daß jedwedes Vögelein pfeifet, wie ihm der Schnabel ge⸗ wachſen iſt, und man alſo mit Fug und Recht ein An⸗

deres von ihm nicht heiſchen darf. Die Gelehrten

ſagen, in dem Innern der Erde, wohin freilich kein naſeweiſes Menſchenauge geblickt hat, ſei Feuer, und dieß Feuer durchdringe die Höhlungen der Erde, wie das Blut die Adern des Menſchenleibes. Das wird