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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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Dieſe Worte verbreiteten Freude in dem Freun⸗ deskreiſe. Wir traten in den Garten am Hauſe und ſetzten uns in der ſchönen Rebenlaube um Herrn Weiher. Es trat das erwartungsvolle Schweigen ein.

Ja, ja, ſagte er, was die Natur und Urſache der Erdbeben betrifft, ſo geht es mir faſt, wie dem Bruder Kapuziner, der eine Predigt über die Stelle: Evan⸗

gelium Johannis 3, Vers 7 und 8 hielt und alſo anhob:

Wir wollen heute von dem Winde reden, und zwar Erſtens: Woher er kommt? Zweitens: Wohin er fährt? und Drittens: Wie wir Beides nicht wiſſen! denn:Wie wir Beides nicht wiſſen, das iſt ſo eigentlich der Predigttheil, den unſre gelehrten Herren abhandeln, die da dicke Bücher über die Erdbeben geſchrieben haben. Der liebe Herr im Himmel, der auch die Erde erbeben läßt, damit der arme Meliſtl

erkenne, es ſei hier keine bleibende Statt für ihn; er müſſe die zukünftige im Glauben ſuchen; der ihn mahnen will, es ſei auf Erden Alles eitel, nichtig und unbeſtändig, und nur das Hinmliſche ſei das Aechte, Wahre, Bleibende der liebe Herr im Himmel, ſage ich, hat nicht für gut gefunden, ſo einen ſchlitzöhrigen, feinnaſigen Profeſſor oder Schulmeiſter herbei zu rufen, wenn's da unten braußt und gährt, wackelt und bebt, donnert und brüllt, auf daß er ſich's gemüthlich an⸗ ſchaue und nun da droben im Tageslichte den Leuten ſage: Kommt her, ich war dabei; habe Augenſchein genommen, und will' Euch nun auslegen, daß Ihr's ſo genau wißt, wie zweimal zwei ſei vier. Es geht uns Menſchen mit dem Erdbeben, wie mit hundert andern Dingen. Wir ſehen die lieblichen Farben der

Blumen; wir riechen ihren erquickenden Duft, aber