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Das Erdbeben von Lissabon : eine Geschichte, der deutschen Jugend und dem deutschen Volke / erzählt von W.O.von Horn, Verfasser der Spinnstube
Entstehung
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warmen Ofen, wenn der Winter draußen den Schnee auf die ruhende Erde ausbreitete und die ſeltſamen Eisblumen die Fenſter bedeckten, ſo mußte er erzählen und nie ließ er ſich umſonſt darum bitten.

Begreiflicher Weiſe war das Erdbeben vom 29. Juli der Gegenſtand, welcher zur Sprache kam. Jeder ſchil⸗ derte, wie es ihm dabei zu Muth geweſen, und Einer erzählte, wie ſein Papagai in ſeinem Käfich gar jäm⸗ merlich geſchrieen habe.

Nun ſagte Herr Weiher, dem mag's dabei zu Muthe geweſen ſein, als ſei er noch in ſeiner Heimat und die Palmenkrone, darinnen er ſein Nachtquartier aufge⸗ ſchlagen, wackele bedenklich und nicht vom Winde oben⸗ her, ſondern vom Stamme, unten herauf.

Ach lieber Herr Weiher, ſagten die Frauen und

kgeren in der Geſellſchaft, wir haben uns recht auf dieſen Nachmittag gefreut, weil wir feſt darauf gerechnet haben, daß Sie uns über das Erdbeben und ſeine Urſachen belehren würden. Wie iſt es doch eigent⸗ lich damit und wie geht's zu?

Der heitre Greis kratzte ſich hinter dem Ohre und ſagte lächelnd: Das hab ich mir wohl ſchon vorſtellen können, daß der alte Weiher einmal wieder würde

herhalten müſſen. Da hab' ich mich denn ein Bischen

umgeſchaut und will's verſuchen, ſo gut es geht, und Euch auch eine Geſchichte erzählen, die ſich an das

ſchauerlichſte und ſchrecklichſte Erdbeben knüpft, an das

nämlich, welches die Hauptſtadt Portugalls, das reiche, herrliche Liſſabon, am 1. November 1755 gänzlich zerſtörte und zum ſchauerlichen Grabe vieler Tauſende von Menſchen machte. Ihr Lieben müßt nur Geduld haben und für Lieb nehmen!