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Doctor Anſelmus erröthete, wie wenn er auf einem
Diebſtahl ertappt worden wäre.
„Mir?“ ſagte er.„Mir iſt gar nichts, Du ſcheinſt noch zu träumen. Geh zu Bette, es iſt Schlafenszeit.“
„Ja, ich gehe. Gute Nacht, Onkelchen.“
Doctor Anſelmus ſchaute lange auf die Thür, durch welche ſeine Nichte verſchwunden war. Sein dunkles Auge nahm jenen melancholiſchen Ausdruck an, der ſeine äußerſte ſchmerzerfüllte Unzufriedenheit mit ſich, mit der Welt, mit Allem zu bezeichnen pflegte. Er ſtand lange ſinnend, nachdenkend. So wenig er es ſich geſtehen mochte, durch ſein Herz wehten Gefühle eigener Art, Gefühle, die er längſt erſtorben und begraben glaubte. Ihm war wie dem Walde, dem nach langem, endlos ſcheinendem Winterſchlaf plötzlich eine lauhe, neuen Lenz und neues Blühen kündende Luft durch die kahlen Zweige weht.
Er trat ans Fenſter und blickte in die milde, ſtern⸗ helle Sommernacht hinaus. Er dachte ſeiner ſchönſten, ſeiner erſten Liebe, jener Tänzerin, die ihm neulich erſt im Traume begegnet, da ſie allzu leichtfertig vor den Kapuzinern getanzt. Er gedachte jener Tage voll Sturm und Leidenſchaft, jener Tage der Jugend voll Kraft und Trot, voll Muth und Glück, und er ſah zu den Sternen, die in ewigem Kreislauf, nach ewigen
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