Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
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träumen, aber Alles, was er ſah, war Wahrheit, und wie gebannt haftete ſein Blick auf der ſchönen Schlä⸗ ferin, die er wie neu, wie noch nie geſehen vor ſich fand.

Endlich raffte er ſich zuſammen.

Dora! rief er leiſe und wollte ſeine Nichte wecken.

Dora! wiederholte er, aber nur flüſternd, denn er fürchtete ſich vor dem Klange ſeiner eigenen Stimme.

Aber ſeine Nichte erwachte nicht.

Da nahm er den Leuchter vom Tiſch und näherte ſich ihr leiſe auf den Zehen. Voll Bewunderung be⸗ trachtete er ſie wieder, wie die röthliche Helle der Kerze über ihr jugendliches Geſicht floß und wie ihr ſchöner Buſen in gleichmäßigem Athemzug gleich einer Welle ſich hob und ſenkte. Er beugte ſein blaſſes Antlitz über ſie, da fuhr Dora erſchrocken auf, die Nähe des Lichtes hatte ſie geblendet.

Schlaftrunken rieb ſie ſich die Augen, dann ſagte ſie halb lachend, halb ärgerlich:

Nein, Onkel, wie magſt Du mich ſo erſchrecken!

Ich Dich? ſtotterte Doctor Anſelmus verlegen. Ich wollte Dich nur wecken, es iſt Schlafenszeit.

Wahrhaftig rief Dora nun völlig munter,ich glaube, ich bin hier eingeſchlafen, da ich Dich erwarten wollte. Aber was iſt Dir? Du ſiehſt mich mit ſo ſtarren Augen an!