Teil eines Werkes 
3. Band (1869)
Entstehung
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zublicken, und von Scheu ergriffen, kehrte er nachdenk⸗ lich in ſein Zimmer zurück.

Dort harrte ſeiner ein ſeltſamer Anblick.

Denn am Fenſter ſaß ſeine Nichte Dora, eingeſchlafen und das Haupt auf den rechten Arm geſtützt, der auf dem Fenſterſims ruhte. Die Linke hing ſchlaff herunter. Sie hatt⸗ es nicht gehört, wie ihr Oheim vorhin den Leuchter geholt hatte; ihr Schlummer war ſo tief, daß ſie auch jetzt ſein Kommen nicht vernahm.

Doctor Anſelmus ſtellte das brennende Licht auf den Tiſch, ſein Strahl ſiel hell auf Dora und beleuch⸗ tete ſcharf deren ſchönes Profil.

Und wie ihr Oheim hinblickte, überrieſelte ihn wie⸗ der ein Schauer, gerade wie vorhin, da er vor dem Bilde der Italienerin geſtanden. Denn die Schlafende glich aufs Haar der ſchönen Sidonie aus dem Welſchland, nur war die Schönheit Dora's jünger,

reiner, mehr noch im Aufknospen begriffen, im Ver⸗

gleich zu der Formvollendung der Andern. Aber es war daſſelbe volle tiefbraune Haar, derſelbe ſtolze Schnitt der Naſe, derſelbe Schwung der Augenbrauen, derſelbe feine Mund.

Doctor Anſelmus wurde, er wußte nicht wie. Seit Jahren hatte er Dora täglich geſehen, und nun erſt ſollte er alle die Schönheit erkennen? Er glaubte zu