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Er blieb vor dem Bilde ſtehen, das er lange be⸗ trachtete. Erſt als er ſich darauf beſann, daß er ja
eigentlich nur in das Dunkel, nur in die Nacht ſehe,
ging er, aus ſeinem Zimmer, das gleichfalls in Finſterniß lag, den bereitſtehenden Leuchter zu holen und vor das Bild zurückgekehrt Licht zu machen. Wie ein Stern ging die ſtrahlende Schönheit des welſchen Weibes vor ſeinen Blicken auf.
„Sidonie!“ flüſterte er.
Das war der Name der Italienerin, wie er ihn in den Urkunden und Chroniken gefunden.
Sein Auge hing verzehrend an den ſchönen Formen, deren herrliche Linien der Künſtler ſo fein empfunden und mit ſo unnennbarem Geſchicke wieder der Leinwand anvertraut hatte.
„Sidonie!“ wiederholte er.„Wer mit dir gelebt hätte, wer um dich hätte ſein dürfen! Um deine Liebe werben, dir dienen, dich lieben—“
Ein Schauer überlief den Körper des Doctor Anſel⸗ mus, denn ihm war, als habe ihn eben ein Blitz aus den großen dunklen Augen der Italienerin getroffen, als habe ihre Wimper gezuckt.
Er lächelte über ſich ſelbſt; es war ja nur ein Bild, ein gemaltes Bild, vor dem er ſtand, er mußte ſich ge⸗
täuſcht haben. Aber trotzdem wagte er nicht mehr auf⸗


