Sie hatte dieſe Worte in wilder Leidenſchaft her⸗ ausgeſtoßen, ihr brennendes Auge hing an dem meinen, und während ſie noch meine Hände umklammert hielt und ihr Körper ſich wie bittend vor mir wand, fühlte ich, wie mich der heiße Hauch ihres Mundes um⸗ wehte.
Sie war ſchön, unendlich ſchön. Da ich ſchwieg, fuhr ſie fort:
„Willſt Du mich tödten? Liebe, liebe mich! Das iſt Alles, worum ich Dich flehe. Wenn ich auch Dein Weib nicht werden kann, warum ſollen wir uns ver⸗ laſſen, warum müſſen wir uns denn trennen?“
Mit unſaglicher Angſt im Blick ſchaute ſie mich an und ich zitterte, als ich das erglühende, in ſeiner Liebe und Hingebung doppelt ſchöne Mädchen zu meinen Füßen ſah. Die blonden, thränenfeuchten Locken fielen aufge⸗ löſt in ihr Antlitz und ſie wand ſich und rang ihre weißen Arme wie eine Verzweifelnde zu mir empor. Einen Augenblick übermannte mich, was ich ſah; einen Augenblick unterlag ich all dieſem Reiz, dem auch ein Stärkerer ſchwer widerſtanden hätte, wie ein Rauſch von Glück und Seligkeit überkam es meine Sinne, aber im rechten Augenblick trat ein anderes Bild vor meine Seele und ich ſagte:
„Und was ſoll ich meiner Mutter ſagen?“ 14*


