209
ſagung die durch dieſe Zeilen wehte, nicht widerſtehen können. Aber im nämlichen Augenblick warf ſie den Brief jäh von ſich und rief aufſpringend:
„Ich kann nicht! Laß mich, Heinrich, ich kann nicht!“
Das waren die nämlichen Worte, die ſie mir am Anfange unſerer Unterredung geſagt hatte. So weit alſo war ich in einer Stunde, in einer ganzen Stunde ge⸗ kommen.
Ich kann nicht ſagen, wie mir in dieſem Momente zu Muthe war. Ich hatte Alles verloren, Alles, was ich beſeſſen. In unendlicher Aufregung, vergeblich mich nach einem Ausweg umſehend, wie ein Ertrinkender, über den die Wogen zuſammenſchlagen wollen, ſchritt ich im Zimmer auf und ab, und auch Marion, die wie⸗ der in den Divan zurückgeſunken war, hielt ſchweigend ihren Kopf in die Hand geſtützt und blickte trübe ins Weite.
Aber die Lage der Dinge ſtand mir klar vor Augen; ein Entſchluß mußte gefaßt werden; nach Allem, was vorausgegangen war, konnte es nur einer ſein, freilich der ſchmerzlichſte, der bitterſte, der, zu ſcheiden.
Ich ſchritt auf Marion zu und ſtreckte ihr die Hand hin. Mit zitternder Stimme ſagte ich:
Oelſchläger, Wunderliche Leute. I. 14


