Bedingung des Lebens? Ich habe die ariſtokratiſchen Kreiſe nie um das beneidet, was äußerlich an ihnen iſt und was die Menge an ihnen bewundert, wie Glanz, Titel, Würden, aber ich beneide ſie um die Bedin⸗ gungen, unter denen ſie mit einander leben, unbefangen im Genuſſe, uneingeſchränkt in ihren Empfindungen, ſicher ſtehend auf der goldenen Höhe des Lebens.“
„Das kann Dein Ernſt nicht ſein!“ rief ich auf⸗ gebracht.„Gott bewahre unſere bürgerlichen Kreiſe vor jenen Zuſtänden!“
„Dein Wunſch mag berechtigt ſein, und es wird wohl auch ſo bleiben. Die Stellungen jener Kreiſe ſind Ausnahmeſtellungen gleich denen der Künſtler, der Dichter, der Schauſpieler, und iſt nicht eine ſolche Aus⸗
nahmeſtellung auch die meine? Ich habe ſie aus eige⸗
nem Antriebe gewählt, weil nur ſie meiner Natur, meinen Anlagen, meinem Wollen entſpricht, und ich würde in das Elend ſteigen, wenn ich ſie aufgäbe.“ „Ich ahne“, ſagte ich zu Marion, ohne dieſe an⸗ zuſehen,„daß es eine tiefe Kluft iſt, die uns trennt. Aber“ ſetzte ich bei,„ſollten denn dieſe Gegenſätze nicht zu verſöhnen, ſollte denn dieſe Kluft nicht auszufüllen, nicht zu überbrücken ſein? Marion, Marion, Du han⸗ delſt ſchwer an mir, wenn Du mich von Dir ſtößeſt.“ „Ich handle zu unſer beider Beſtem.“


