Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
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Du betrügſt Dich ſelbſt, rief ich.Und ſprachſt Du nicht vielmehr davon, Du würdeſt Deine Hand nur einem Mann reichen, der Dir eine noch glänzen⸗ dere Stellung bereiten könnte, als Du ſchon haſt? Du trägſt vielleicht gleich andern Deiner Kunſtgenoſſinnen nach einem Grafen Begehr, nach einem Prinzen warum ſcheuſt Du Dich das heute zu ſagen? Sprich es offen aus, ſag' es laut: ich bin Dir zu gering.

Wie magſt Du ein ſolches Wort über Deine Lip⸗ pen treten laſſen, ſagte Marion tief verletzt.Was Du mir vorhältſt, habe ich wirklich geſagt und leugne es nicht; doch iſt mein Beweggrund ein anderer, als Du glaubſt. Du kennſt ja ſelbſt meinen Sinn für das Aufregende, für das Spannende, vielleicht für das Abenteuerliche. Er iſt es, der allein mich über ſo viele abſtoßende und beleidigende Verhältniſſe beim Theater hinwegſehen läßt. Er iſt es aber auch, der mir das Le⸗ ben in den einſchränkenden bürgerlichen Kreiſen un⸗ möglich machen würde. Ich müßte in dieſen Grenzen erſticken, zu Grunde gehen. Oder ich müßte dieſe Linien durchbrechen und meinen Mann täuſchen, hinter⸗ gehen, verderben. Die Treue, die ich unter andern Umſtänden vielleicht ſo rein halten würde, daß nicht ein Hauch des Verdachtes ſie trüben dürfte, würde ich verabſcheuen, haſſen und in Scherben ſchlagen, nur