Teil eines Werkes 
2. Band (1869)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Mann war mir ſchon öfter aufgefallen, da er gleich mir faſt alle Abende auf ſeinem Platze war und eine ganz komiſche Art hatte, von ſeinem Opernglas Gebrauch zu machen. Er ſchielte nämlich auf beiden Augen und war dadurch außer Stande, ein Doppelglas zu benutzen. Da er aber ſchlecht ſah, bediente er ſich eines einfachen Glaſes, das er, um das Bild von der Bühne zu erhalten, denn immer in ſchräger, für den gerade Sehenden falſcher Linie hielt. Es war lächerlich an⸗ zuſehen. Dabei lag er immer dick und breit mit ſei⸗ nen beiden Armen auf der Brüſtung und geberdete ſich überhaupt mit einer Ungenirtheit, als ob er hier zu Hauſe ſei.

Ich hatte mich ſchon oft über das ſchier bäueriſche Auftreten des Mannes geärgert, jetzt bekam ich einen Abſcheu vor ihm, da ich ſah, daß er es war, dem Ma⸗ rion auszeichnende Blicke ſchenkte. Ich bemerkte, daß er ſolche Aufmerkſamkeiten der Schauſpielerin, die er fortwährend mit ſeinem Glaſe verfolgte, mit einem unendlich ſelbſtgefälligen Lächeln hinnahm.

Es regte ſich etwas wie Eiferſucht in mir. Wäre es ein geſchniegelter Offizier von der Garde oder ein elegantes Mitglied unſerer jeunesse dorée oder irgend eins jener Geſchöpfe geweſen, welche die Welt und namentlich die weibliche wegen ihres glänzenden Auf⸗