Teil eines Werkes 
1. Band (1869)
Entstehung
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Kopfe und das brennende Licht in der Hand, auf den Corridor hinausſchlich, um vor dem Bilde der Italie⸗ nerin Halt zu machen, deren ihn bezaubernde Schönheit er mit leuchtenden Augen betrachtete. Sie hörte ihn zurückkommen und ſchloß aus dem Geräuſch, das er mit Ziegelſtein und Tintenfaß machte, daß er noch arbeiten wolle. Dem war auch ſo, und die Sterne begannen ſchon wieder zu erbleichen, als Doctor Anſelmus erſt daran dachte, ſich zur Ruhe zu be⸗ geben.

Der nächſte Morgen ging in der gewohnten Weiſe vorüber. Doctor Anſelmus vergrub ſich in der Biblio⸗ thek, Dora ſuchte ſich durch Leſen oder Schreiben über die nur allzu langſam hinſchleichenden Stunden hin⸗ wegzuhelfen. Endlich kam der Mittag und mit ihm Doctor Anſelmus. Er ſprach bei Tiſche wenig und zerſtreut; er klagte über Kopfweh und preßte mehrmals die Hand auf die brennende Stirn. Vielleicht hatte er auch allzu raſch ein paar Gläſer Wein hinunter⸗ geſtürzt. Er empfand das Bedürfniß der Ruhe, er ſehnte ſich nach Schlaf, und wahrhaftig, ſeine Nichte war die letzte, welche ihm Beides mißgönnt hätte. Mit Sehn⸗ ſucht wartete ſie auf den Augenblick, in welchem ſie ſich von dem feſten Schlummer ihres Oheims über⸗ zeugen durfte, und eilte dann klopfenden Herzens hin⸗

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