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Geſtaden Italiens hierher in den rauhen Speſſart ver⸗ ſchlagen worden war, Mancherlei zu erfahren, und mit wahrer Gier vertiefte er ſich in die einzelnen Blätter, welche Nachricht von ihr gaben.
Als er der Dunkelheit halber ſeine Forſchungen einſtellen mußte, fühlte er ſich zu ermüdet, um noch an dem Kegelſpiel der Mönche Theil zu nehmen, und zog es vor, einen Spaziergang in den nahen Wald zu un⸗ ternehmen, auf welchem er Dora zwang, ihn zu be⸗ gleiten. Er mußte Jemand haben, dem er ſein ganzes Herz wieder ausſchütten, zu dem er von ſeinen Helle⸗ barden und Gobelins, von den Schachfiguren und der Italienerin, von der Univerſität und den Profeſſoren ſprechen konnte. Seine Redeweiſe war auch ungeſtüm und abgeriſſen, haſtig und aufgeregt. Aber Dora achtete nicht darauf, in verdrießlichem Schweigen ging ſie neben ihm her und gedachte des Frater Heinrich, der ſie erwartete und dem ſie das gegebene Wort nicht halten konnte. Endlich drängte ſie ungeduldig zur Rück⸗ kehr, aber es half ihr nichts; als ſie wieder heimkamen, lag der Garten ſtill und verlaſſen, die Mönche hatten ſich bereits zurückgezogen.
Kaum brachte ſie es über ſich, ihrem Oheim freund⸗ lich gute Nacht zu ſagen, und ein zorniger Blick ſchoß aus ihren Augen, als dieſer, das rothe Fes auf dem


