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lag bezwungen vom Zauber, den das vom lichtblauen Himmel niederblitzende Geſtirn ausübte.
Dora eilte aus dieſem Meere von Glut wieder herauszukommen und ſchritt auf die Laube zu, in der ſie geſtern mit Frater Heinrich das bedeutſame Zwie⸗ geſpräch gehalten hatte, deſſen Erinnerung ſie noch nicht einen Augenblick verlaſſen. Sie wollte nichts An⸗ deres, als eben nur in der Laube ſein. Man liebt die Orte, an denen man eine bedeutende Bewegung des Herzens oder des Geiſtes erfahren hat. Man liebt ſelbſt die Orte noch, an denen man tief unglücklich war, warum nicht vielmehr die, an denen uns ein Hauch des Glückes geſtreift hat!
Auf dem Tiſche in der Laube ſtand eine Schüſſel mit eben gebrochenen Frühbohnen; daneben ausgebreitet lag eine Schürze von blendender Weiße, beſtimmt, das geſchnittene Gemüſe aufzunehmen. Der Gärtner mochte in ſeiner Arheit unterbrochen worden ſein und hatte Alles, wie es war, liegen und ſtehen laſſen.
Inſtinktmäßig griff Dora nach dem unter den Bohnen halbvergrabenen Meſſer und begann des Gärtners unter⸗ brochene Arbeit fortzuſetzen. Mit kundiger Hand löſte ſie erſt die Fäden auf den beiden Seiten ab und ge⸗ brauchte alsdann das Meſſer, daß die länglichen Scheiben, haarfein geſchnitten, nach rechts und links flogen.


