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ſeine Athemzüge zu hören. Raſch griff ſie zu ihrem Hute, öffnete kräftig die Thür, damit ſie nicht in den Angeln knarre, und trat in ihres Oheims Zimmer. Sie wartete klopfenden Herzens einen Augenblick. Alles war ruhig, Doctor Anſelmus lag in tiefem Schlafe. Sachte ſchritt ſie durch das Gemach, an ihrem Oheim vorbei und huſchte leiſe und unhörbar zur Thür hin⸗ aus. Sie ſtand auf dem Corridor.
Eine Weile noch blieb ſie unſchlüſſig ſtehen, dann aber, da ſie Niemand gewahrte— die Mönche mochten Sieſta halten— ſchritt ſie feſt und ſicher durch den Gang, daß dieſer zu ihrer Freude davon wiederhallte, und eilte die Treppe hinunter über die Brücke in den Garten.
Es war ein heißer Mittag, Alles ſchien zu ſchlafen, und die Welt ringsum lag in träger Stille. Breit, wie zur Ruhe hingeſtreckt, lag der goldgrüne Weiher, bis zum Grunde vom leuchtenden Strahl der Sonne er⸗ hellt, wie ein in Liebe ſeliges Herz. Kein Blatt rührte ſich im Garten, die Gräſer nickten wie im Traume und fuhren nur erſchrocken auf, wenn vielleicht ein dürres
Aeſtchen unter ſie herabfiel und für einen Augen⸗
blick die geweihte Stille unterbrach. Nicht ein Lüftchen wehte vom nahen Walde, der in regungsloſem Schweigen von den Bergen in den Garten hereinſah, und Alles


