nehmen keinen Rath an. Leonardo that nichts, ohne mich befragt zu haben. Sehen Sie einmal dieſe Kleo⸗ patra an— nein, dieſen Auguſtus! Er iſt zum Todt⸗ ſchießen! Sein Mantel, ſein Panzer, ſein Kranz, ſein Schwert— Alles vortrefflich gemalt, aber das Ganze in Haltung und Geberde ohne Feuer, ohne Leiden⸗ ſchaft. Auguſtus mußte ſo ſein— aber warten Sie einmal, lieber Herr Doctor—
Kleopatra ſchritt raſch auf das Sopha zu, auf welches ſie ſich in ihrer ganzen Länge niederließ. Sie nahm ſo ziemlich die Stellung ein, wie Kleopatra auf dem Bilde; der rechte Arm, deſſen Hand die Schlange noch umklammert hielt, und das rechte Bein hingen ſchlaff herunter, während die Linke zuſammengepreßt auf dem Herzen lag. Dabei hatte ſich die Jacke vorn noch weiter geöffnet, aber Kleopatra hatte den Kamm aus ihren Haaren genommen, daß die ſchwarzen Locken des rückwärts geneigten Hauptes in reicher Fülle auf den Nacken und auf die Bruſt von blendender Weiße fielen.
Doctor Anſelmus war aufgeſprungen und ſtand nun ſtarr wie eine Bildſäule.
„Kleopatra!“ rief er.
„Mein Auguſtus!“ antwortete dieſe und brach, da ſie den Kopf ein wenig gegen Doctor Anſelmus hob,


