In geſelliger Beziehung war es zwanglos und gemüthlich im Städtchen. Es hatte einige Beamten⸗ familien, mit denen auch der umwohnende Adel freund⸗ lich verkehrte, deren Hub in geiſtiger Beziehung Pfarrer und Diakonus waren. Der erſtere, ſchmächtig, dunkel⸗ äugig, mit klugen, feinen Zügen, apoſtelartig anzu⸗ ſchauen mit ſeinem langen braunen Haar, war ein nobler Charakter, ein vortrefflicher Prediger und zugleich ein Geſellſchafter voll Liebenswürdigkeit und feinſten Hu⸗ mors; der Diakonus, kleiner, runder von Geſtalt, blond, wohlwollenden Ausdrucks, zarten Gemüthes, Denker und Dichter, großer Freund des Alterthums, der Kinderwelt und des Familienlebens; beide wohnten gleich neben und hinter der Kirche und hielten mit dem Rector treue Nachbarſchaft. Beide wären ihm ſogar gern noch näher befreundet geweſen— der Pfarrer hatte eine hübſche, ſinnige Schweſter, der Diakonus zwei Schwägerinnen, welche dem Rector um die Wette gern in die blauen Augen ſchauten. Um ſo geſpannter waren alle auf die, welche er heimführen ſollte, die, wie man hörte, aus Liebe zu ihm ſo hoch herun⸗ terſtieg.
Die Wohnung, an der Hauptſtraße des Städtchens gelegen, freundlich und groß genug für ein glücklich liebend Paar, bildete rückwärts ein erhöhtes Parterre,


