Teil eines Werkes 
4. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ihre Pflichten treulich erfüllt, und in den Stunden, die er ihr weihen konnte, ſein dornenvolles Daſein verſchönert, und die ihm aufgebürdeten Laſten erleichtert hätte?— Und war ſie ſtets der Liebe würdig geweſen, die der einſt ſo ſtattliche Genueſe ihr bis in ſein Alter be⸗ wahrte; hatte ſie nicht in der liebeglühenden Sehnſucht nach einem Fremden, in der eifrigen Beſchäftigung ihrer zärtlichen Gedanken mit dieſem, längſt die Treue gebro⸗ chen, die ſie einſt Chriſtof Columbus vor dem Altare ſchwor?—

Alle ihre Gedanken waren bei ihrem ſterbenden Gatten; mit fieberiſcher Haſt ſtrebte ſie ihn zu errei⸗ chen. Die großen Unbequemlichkeiten des angeſtrengten Reiſens in jenen Tagen hielten ſie auch nicht eine Stunde lang auf. Mit wankenden Schritten nahte ſie ſich. Ja⸗ copo ging ihr entgegen, reichte ihr die Hand und ſagte ſanft:

„Gelobt ſei der Herr, daß Du da biſt, Schweſter. Sei willkommen in dieſem Hauſe, in dem bald ein Ge⸗ rechter von den Schwächen der Erde erlöſt ſein wird.“

Sie legte ihre kalte Hand in die ſeinige, ſah ihn eine Sekunde ſtarr an, als müſſe ſie ſich auf etwas ganz Entferntes beſinnen, und ſagte dann:

„Wir haben uns lange nicht geſehen, mein Bruder!“