219
da er allen Granden vorgezogen und mit Ehren über⸗ häuft worden war, wie man dies bis jetzt weder in Ca⸗ ſtilien noch in Arragonien gekannt hatte, und da ſein Ruhm nicht nur weit über die Grenzen Spaniens, ſondern auch über diejenigen Europas erſchallte. Es konnte daher nicht fehlen, daß Columbus auch mit dieſer hochgeſtellten Familie Viana die freundlichſten Beziehungen unterhielt und auf mannigfache Weiſe mit ihr verkehrte, wenn er ſich in ihrer Nähe befand.
Der Alcazar war in Cordova die Wohnung des Königs, der Königin und ihres Hofes. Dieſe Burg der mauriſchen Herrſcher war der reichgeſchmückte Ort, an dem einſt viel Blut floß, an dem der Schrei der Freude und der Klage erſchallte. Hier glänzten einſt üppige Wei⸗ ber und tapfere, morgenländiſche Krieger. In dieſen Hallen tönte rauſchende Feſtmuſik; dieſe lieblichen Gärten ſtrahlten bei nächtlicher Weile im Glanze farbiger Luſt⸗ feuer. Hier ſchrieb ein Bittſteller ſeine Wünſche auf Ro⸗ ſenblätter nieder, und erlangte dafür von dem huldreichen Khalifen Gewährung und reiche Belohnung. Dann wieder hüllte Finſterniß dieſe glänzenden Hallen ein; in den Drangenwäldern, nahe dem Guadalquivir, ſah man ſtahl⸗ gepanzerte Maurenritter, blinkende Waffen, hörte man den Jammerſchrei der Unglücklichen, welche das Opfer des
grauſamen Zornes der Khalifen wurden. 4


