202
Spitze ſeiner ſchrecklich gelichteten Leibwache in den dich⸗ teſten Kampf ſtürzte, um das weiße Symbol der heidni⸗ ſchen Macht zu vertheidigen. Für den Augenblick hörte alle Disciplin auf und die Heerführer fochten wie ge⸗ meine Krieger im Handgemenge. Arnold ſtieß in wilder Kampfeswuth mit ſeiner Lanze um ſich, und zog nun ſein Schwert, um den Schaft des ihm ziemlich nahen Ban⸗ ners niederzuhauen. Allein Boabdil's krummer Säbel funkelte plötzlich ſeitwärts an ſeinem Halſe. Er ſah ſich genöthigt zurückzutreten und ſein Leben gegen die wü⸗ thenden Angriffe des Sultans zu vertheidigen, bis dieſer auf einige Sekunden ſeinen Säbel ſinken ließ. Auch Ar⸗ nold hielt vor Erſchöpfung inne und rief:
„König Boabdil! Hier in der ehrlichen Schlacht iſt ein beſſerer Kampfplatz für mich, als im Harem Deiner Alhambra, und Du biſt mir auf dem Felde der Ehre ein würdigerer Widerſacher als im Thurm des Co⸗ mares!“
„Ha, verfluchter Ungläubiger! Endlich ſoll Dich der längſt verdiente Lohn Deiner Frechheit ereilen!“ rief Boabdil außer ſich, indem er ſeine leichte Lanze gegen Arnold ſchleuderte. Dieſer fing ſie jedoch mit ſeinem Schilde auf und der Kampf entbrannte heftiger als zu⸗ vor. Plötzlich hörte man ein wildes und verzweifeltes Ge⸗ heul aus den Reihen der Mauren. Das Banner mit dem


