193
ganze Seelenſtürke wieder zurück. Anſtatt eine Einſchüch⸗ terung zu verrathen, ſagte ſie mit ruhiger Würde:
„Eure Hoheit wolle geruhen mich zu hören, ehe Ihr Euer Urtheil über mich fällt. Dieſer Mann iſt mir an dem heißen Tage des Gefechtes als der letzte Ver⸗ theidiger zur Seite geblieben und hat Noth und Todes⸗ gefahr mit mir getheilt. Sein letztes Verdienſt um mich iſt das ſichere Geleit, das er mir ſo ehrenvoll wie der beſte Ritter bis zu Euch gegeben hat. Ich empfehle ihn auf's Dringendſte Eurer Gnade, denn er verdient ſie. Uebrigens ſeid Ihr im Irrthum befangen, wenn Ihr vorausſetzt, daß ich mich mit leichtfertigen Gedanken be⸗ ſchäftigt hätte. Sie ſind im Gegentheil auf den ſichern Hafen eines Kloſters gerichtet, in das ich baldigſt einzu⸗ treten wünſche.“
„So beſteige Dein Roß und geſelle Dich zu uns, Donna Elvira,“ ſprach der König, indem ſein gewöhnlich ſo undurchdringliches Antlitz einen unwillkürlichen Freu⸗ denſtrahl durchblicken ließ.„Theile uns alle Deine Aben⸗ teuer mit, während wir Dich zur Königin geleiten. Dieſe iſt nicht weit von uns in einem Hauſe des Dorfes, von wo aus ſie die beſte Ueberſicht der Stadt hat. Von dem einen Fenſter aus erblickt ſie den ſchönſten Theil von Granada und der Alhambra. Doch haben dieſe ver⸗ ruchten Sarazenen etwas davon erfahren und nahen ſich


