56
„Du haſt oft genug nicht im Intereſſe Deiner Stammgenoſſen gehandelt,“ entgegnete Donna Elvi⸗ ra kalt.
„Mein eigenes Volk,“ fuhr der Sultan bitter fort, „drängt mich in dieſe meine Veſte Alhambra. Auf wie Viele der Häuptlinge ich mich verlaſſen kann, weiß ich nicht. Ich habe mich an die Spitze meiner Truppen ge⸗ ſtellt und eine glänzende Kriegsthat ausgeführt, die uns reiche Beute gewann, viele Feinde vernichtete und die Chriſtenkönigin faſt in unſere Hände gebracht hätte— und dennoch ſchilt man mich feige und unſchlüßig!— Ich habe mir ein Weib erkämpft, welches lange ſchon das Licht meiner Augen war— und ſie lohnt mir mit Haß und Gleichgültigkeit!“
„Daß ich nie einen Funken von Liebe für Dich noch finden würde, habe ich Dir lange ſchon geſagt,“ ent⸗ gegnete Elvira.„Wenn Du dieſen Ueberfall der Spanier aus dem Grunde unternahmſt, um mich in Deine Hände zu bekommen, ſo haſt Du dadurch nichts für die Förde⸗ rung Deiner Wünſche erlangt.“
„Ich that es— einzig, um Dich mir zu gewinnen!“ rief Boabdil auffahrend.„Meine Kundſchafter hatten mich von dem Abgange dieſes Zuges unterrichtet. Auch daß die Nichte des Königs von Arragonien ſich dabei befinden würde, theilten ſie mir mit. Ich ſetzte mein Leben
j⸗


