Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

47

„Reduan Benegas,“ verſetzte der junge Mann, „Du haſt mir mein Leben geſchenkt. Dein Arm, der ſonſt den Chriſten ſo furchtbar iſt, hat mir allein Barmherzig⸗ keit bewieſen. Ich höre aus Deinem Munde die theuren Laute meiner Mutterſprache, in welcher mir auf dieſer ganzen Halbinſel nur einige unſerer Schweizer geantwor⸗ tet haben. Wäre ich ſo abergläubiſch wie Viele meiner Kampfgenoſſen, ſo würde ich glauben, daß die nämliche übernatürliche Kunſt, die Dich ſelbſt und Deine Waffen gefeit zu haben ſcheint, Dich auch in einer Mundart reden läßt, die weit weg in der Mitte Europas zu Hauſe iſt. Aber ich denke lieber, daß Du lange mit Deutſchen ver⸗ kehrt haſt und daß irgend ein ſympathetiſches Gefühl für mich bei Dir ſpricht. So lege ich Dir denn noch eine Sache an's Herz, die mir theurer iſt als das eigene Leben. Jene mauriſche Dame hat Dir mitgetheilt, daß ſie die gefangene Chriſtin zu verderben, ſie nach Afrika zu ſchicken wünſche. Befördere nicht ein ſo erbarmungsloſes Vorhaben!— Steh' der beleidigten Gattin bei, um ſie wieder in ihre gewaltſam geſchmälerten Rechte einzuſetzen, aber verhänge dabei nicht über die Chriſtin ein Loos, das ſchrecklicher iſt als der Tod! Entwürdige nicht Dei⸗ nen ſtarken Arm, indem Du ein gefangenes Weib durch ihn vernichteſt!— Ich ſchwöre Dir, daß ſie unſchuldig an Boabdil's Plänen iſt und daß ſie ihn früher ſchon mit