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wieder zu beſteigen und mein Geleit anzunehmen, damit Du ungefährdet nach Granada gelangen mögeſt?“
„Ich bin bereit, Dir zu folgen, Sultan,“ erwie⸗ derte ſie gelaſſen.
Er hielt ihr mit ritterlicher Galanterie die eine
and hin, indem er die andere gegen ſie ausſtreckte. Sie erfaßte dieſe flüchtig, ſetzte den zierlichen Fuß auf die Er⸗ ſtere, und ſaß im nächſten Augenblicke auf ihrer Sattel⸗ decke Sie deutete noch einmal auf Arnold, welcher ver⸗ gebens ſeine Lanze in der geſchwächten Hand zu halten verſuchte, und ſagte:
„Dieſer Mann iſt in meiner Vertheidigung ver⸗ wundet worden. Du biſt ſelbſt ein tapferer Ritter, Sultan, und wirſt daher den Tapfern nicht ſtrafen, weil er ſeine Pflicht gethan. Wenn er auch Dein Feind iſt, ſo behandle ihn um meinetwillen ohne Härte und nimm ihn mit nach der Alhambra.“
„Dein Wunſch iſt mir Befehl, Herrin,“ erwiederte
Boabdil.„Sobald Du für ihn bitteſt, ſoll ihn der Schat⸗
ten meiner Gnade einhüllen. Er wird ſich unſerm Ge⸗ folge anſchließen. Muſtafa, Du trägſt Sorge für dieſen Gefangenen, als wenn er zu den Getreuen unſerer Alham⸗ bra gehörte.“
Dieſe Worte richtete er an einen alten Krieger von düſterem Anſehen, der ihm nahe ſtand. Dieſer kreuzte zum Zeichen des Gehorſams die Arme über der Bruſt, indem


