Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

aufgedrängt hatte. Es war der König Boabdil, den ſie heute an der Spitze ſeiner kampfgeübten Schaaren ſah, wie ſie ihn früher im Gewande eines mauriſchen Arztes erblickt hatte: das nämliche glühende Auge, das Antlitz, aus dem die Wildheit des Kampfes plötzlich verbannt war, von jenem ſchmeichelnden Ausdrucke beſeelt, der ihr entſetzlicher war, als jede Aeußerung des Haſſes, die es ihr hätte kundgeben können. Dieſe ſchreckenvollen Wahr⸗ nehmungen vermochten es aber dennoch nicht, der Nichte Ferdinand's gänzlich die Faſſung zu rauben. Sie ſprach mit ernſter Würde:

König der Mauren, ich bin Eure Gefangene. Allein Ihr ſeid nicht nur unſer Feind, ſondern auch ein Ritter, wenn auch Eure Farben nicht die unſrrigen ſind. Ich über⸗ gebe mich Euch, da die Unſern im Kampfe unterlegen ſind,

und rufe bei Euch den Schutz eines Fürſten und Ritters

an, um mich vor roher Gewaltthat zu ſchützen.

Er iſt Dir gewährt, Elvira von Viana, ent⸗ gegnete Boabdil mit ritterlicher Artigkeit.Derjenige, der es wagen ſollte, Dir auf irgend eine Weiſe zu nahe zu treten, wird meine Rache fühlen. Sein Kopf ſoll durch mein eigenes Schwert von ſeinen Schultern fliegen zum warnenden Beiſpiel für Jeden, der ihm nachahmen möch⸗ te! Beſteige jetzt Dein Thier wieder und geſtatte Dei⸗ nem unterwürfigen Sklaven, ſich für Deinen Ritter zu erklären und Dich nach Granada zu geleiten, wo Du im