Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

176

Dieſer veränderte auch jetzt noch nicht ſeine Miene. Die Wächter des Einganges näherten ſich, nahmen ihm ſeine Feſſeln ab und führten ihn zu dem Torturplatze. Der Großinquiſitor, der ſich ſelbſt in einer Verachtung kör⸗ perlicher Pein gefiel, wußte dennoch, daß Andere mehr Furcht vor ihr empfanden. Auch war ihm die Folter nicht um ihrer ſelbſt willen angenehm. Er machte daher ein abermaliges Zeichen und rief:

„Willſt Du bekennen, Gefangener, ſo kann Dir noch jetzt die Folter erſpart werden!“

Avila war ſtill geſtanden und ſagte ruhig:

„Nein, denn ich werde keine Unwahrheit geſtehen, obwohl es wahrſcheinlich iſt, daß dieſe gebrechlichen Glie⸗ der unter den Qualen dahinſterben, die Du über ſie verhängſi. Ich werde in wenigen Stunden vor Gott ſtehen, und wiederhole dennoch, daß ich nie daran gedacht habe, Donna Elvira dem Chriſtenglauben abtrünnig zu machen.“

„So erleide, was Du ſelbſt Dir beſtimmt haſt!“ ſprach der Großinquiſitor mit furchtbarer Stimme.

Aaron Avila aber erwehrte ſich der Folterknechte, welche ihm ſein Gewand von den Schultern ziehen woll⸗ ten, wendete ſich nochmals zu dem Großinquiſitor und ſagte:

„Prieſter, Du wirſt mir bald auf der dunkeln Bahn folgen, die vor mir liegt. Vor vierzehn Monaten warſt