Teil eines Werkes 
2. Band (1845)
Entstehung
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24. Agnes Bernauerin war ſonſt auf der Bühne heimiſch eine neue Tragödie von Ludwig Braunfels wurde zwar aufgeführt, aber meines Wiſſens noch nicht im Drucke bekannt.

25. Eliſabeth bleibt eine würdige und gleich ſchwere Aufgabe für die poetiſche Zeichnung, wenn ſie nicht allein das Gegenbild zu 26. Maria Stuart bilden ſoll. Letzere ſelbſt bedarf hier keiner nähern Andeutungz ich kenne bis jetzt kein Gedicht, in welchem ſie erſcheint, das ihr nicht eine poetiſche Verklärung gegeben hätte. Ihr Abſchiedslied iſt nach Beranger von Ad. von Chamiſſo überſetzt. Eine ſeltſame Erſcheinung unter dieſen Gemälden möchte 27. Chri⸗ ſtina von Schweden ſeyn, die oft nur unweiblich auftritt. Ich hoffe indeſſen, es iſt mir einigermaßen gelungen, aus ihren eigenen Bekenntniſſen und den geſchichtlichen Werken der neuern Zeit, die Poeſie ihres Lebens zu entwickeln. Der Mord Monaldeschi's gibt viel Stoff zu poetiſcher Erfindung. Laube's Trauerſpiel, das bereits über einige deutſche Bühnen gieng, blieb jedoch von geringem Erfolge. Ein Geſtändniß eigener Art machte Chriſtina in ihren Memoiren:Meine Meinung geht dahin, daß Weiber niemals regieren ſollten, und gewiß hätte ich meiner Tochter das Recht der Erbfolge entzogen, wenn ich mich vermählt hätte. Ich würde nämlich mein Reich ohne Zweifel mehr geliebt haben, als meine Kinder; und es heißt, ſein Reich verrathen, wenn man zu⸗ gibt, daß die Erbfolge auch auf Töchter fällt. Ich verdiene wohl um ſo mehr hierin Glauben, da ich gegen mich ſelbſt rede. Aber es iſt bekannt von mir, daß ich die Wahrheit auch auf meine Koſten ſage. Es iſt faſt unmöglich, daß ein Weib ſich den Pflichten eines Throns auf würdige Art widme, ſie mag für ſich ſelbſt oder für einen Mündel herrſchen. Die Unwiſſenheit der Weiber, die Schwäche ihres Körpers, ihres Charakters und ihres Verſtandes macht ſie unfähig zu regieren. Alles, was ich in der Geſchichte und in der Welt von Wei⸗ bern, die regierten oder zu regieren ſchienen, geſehen oder gehört habe, überzeugt mich, daß ſie ſich dadurch unfehlbar