ächten Johanna nachher zur Flucht behülflich geweſen. Endlich kam auch noch eine Urkunde von 1443 in Vignier's Hände, worin von der Jungfrau als einer Lebenden die Rede war. Allein Vignier veröffentlichte nichts von Allem dem. Erſt nach ſeinem Tode ließ ſein Bruder die Dokumente drucken. Die Geiſtlichkeit zu Paris ſtritt für die alte Ueberlieferung. Aber 1749 fand Pollüche, Rechnungsführer der Stadt Orleans, abermals Belege, Johanna habe noch 1436 gelebt, und ſogar als Frau Johanna von Hermoiſe 1439 in Orleans einen feierlichen Einzug gehalten, wo der Stadtrath in Anerkennung ihrer während der Belagerung der Stadt geleiſteten Dienſte ihr ein Geldgeſchenk von 2000 Franken verwilligte und große Feſtlichkeiten veranſtalten ließ. Pollüche bemerkt zugleich, erſt von jetzt an ſei der Trauergottesdienſt abgeſtellt worden, der alljährlich zu Ehren der Jungfrau in einer der Kirchen ge⸗ halten wurde.— Dies ſchien nun Alles unbezweifelt. Jedoch in neueſter Zeit regten ſich wieder andere Bedenklichkeiten; man fand das alte Tagebuch eines Pariſer Bürgers auf, der Johanna's Zeitgenoſſe geweſen. Er ſagt unter Andern: „Am königlichen Hofe ſtellten ſich mehrere Jungfrauen von Frankreich ein, die alle als Betrügerinnen entlarvt wurden. Das kam daher, daß die Prieſter ſchon vor der Vollſtreckung des Urtheils das Gerücht ausgeſtreut hatten, die Heiligkeit Johanna's ſchütze gegen die Flamme. Deßhalb entriſſen die Engländer, um dieſen Trug zu verhüten, den Körper der Jungfrau dem angezündeten Holzſtoße, ſobald als die Seele daraus entflohen, und ſie ſich überzeugt, daß die Hexe wirklich todt ſei.“ Das Tagebuch führt weiter an, 1440 habe das Parlament und die Univerſität zu Paris ein Weib vorgeladen, die von Vielen für die Jungfrau gehalten und von der Stadt Orleans ehrenvoll empfangen wurde. Man erkannte, daß es verheirathet geweſen, ließ es aber frei, weil nichts Erhebliches vorlag, worauf dieſe Witwe mitten im Winter von Paris abreiſte.— Schon 1441 zeigte ſich wieder eine andere Jungfrau von Orleans; ſie war der ächten ſo ähnlich, daß ſie eine Audienz bei König Karl verlangte.
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